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Die Klauengesundheit ist entscheidend für die Lebensdauer der Herde

 

 

 

 

 

 

 

 

 

„Wir haben in den letzten zwanzig Jahren bei der Verbesserung der Klauenprobleme in Milchviehbetrieben keine wirklichen Fortschritte gemacht. Ich gehe davon aus, dass ein bis zwei Laktationen in einem durchschnittlichen Betrieb gewonnen werden können, wenn die Herde keine Klauenprobleme aufweist”, sagt Menno Holzhauer.

Wie hat sich der Prozentsatz der Klauenprobleme in Milchviehbetrieben in den letzten Jahren entwickelt?

In den letzten Jahren ist es uns noch nicht gelungen, die Anzahl der Klauenprobleme strukturell zu reduzieren. In einem durchschnittlichen Milchviehbetrieb haben zwischen 20 und 30 Prozent der Kühe ein schwerwiegendes Klauenproblem. Das ist derselbe Prozentsatz wie vor 20 Jahren. Man kann also sagen, dass wir auf der Grundlage der Daten der letzten Jahre kaum eine Verbesserung der Klauengesundheit festgestellt haben.

Welche Auswirkungen haben Klauenprobleme auf die Lebensdauer der Tiere?

Klauenprobleme haben einen großen Einfluss auf die Lebenserwartung der Herde. Ich gehe davon aus, dass ein bis zwei Laktationen in einem durchschnittlichen Betrieb gewonnen werden könnten, wenn die Herde keine Klauenprobleme aufweist. Bezogen auf die Lebensdauer ist die Klauengesundheit einer der größten Schlüsselfaktoren. Milchviehhalter müssen ihre Milchkühe oft aus der Herde nehmen, weil sie nicht trächtig werden, die Hauptursache hierfür ist häufig ein Klauenproblem. Aufgrund von Klauenproblemen geraten Kühe oft zu sehr in die negative Energiebilanz, weil sie während der Transitionsphase zu viel Gewicht verlieren. Tatsächlich besteht für die Milchviehhalter eine große Chance, die Lebensdauer der Kühe zu verlängern, indem sie Klauenprobleme lösen und Milch von gesunden Kühen produzieren.

Was ist Mortellaro?

Mortellaro ist eine oberflächliche schmerzhafte Hautinfektion an der Unterseite der Beine. Wir sagen oft, dass Mortellaro ein Klauenproblem ist, aber in Wirklichkeit ist es ein Hautzustand. Es ist ein anaerobes Bakterium, das sich gerne in einer sauerstoffarmen Umgebung aufhält. Sie können sich also vorstellen, dass sich die Bakterien gerne im getrockneten Mist an der Klaue aufhalten und vermehren.

 

Was sind die Ursachen für eine Infektion mit Mortellaro?

Das Mortellaro-Bakterium wird durch infizierte Trägerkühe verbreitet. Oft sind Färsen anfälliger für Mortellaro, da sie noch über einen geringeren Widerstand verfügen. Hauptsächlich ist die Verbreitung von Mortellaro auf infizierte Tiere zurückzuführen, die über die Spalten laufen und Kreuzkontaminationen verursachen. Der Beweis dafür ist auch in der Praxis zu sehen: Wenn die Kühe sich über einen längeren Zeitraum auf der Weide befinden, sinkt die Zahl der Tiere mit Mortellaro enorm.

Wo liegen die Ursachen für diese Infektion?

Wenn wir über Klaueninfektionen sprechen, meinen wir damit oft Mortellaro. In einem Betrieb, in dem es Mortellaro-Fälle gibt, treten häufig auch Klauenfäule oder Zwischenklauenentzündungen auf. Eine wichtige Rolle zur Vorbeugung von Klaueninfektionen spielt die Betriebshygiene. Ein amerikanischer Kollege von mir sagte einmal, dass die wichtigsten Präventionsmaßnahmen “Hygiene, Hygiene und Hygiene” seien. Die Sauberkeit der Klaue und des Spaltenbodens sind hierbei die Ausgangspunkte. Wichtig ist ebenfalls, dass die Spalten trocken sind und die Kühe eine gute Widerstandskraft haben.

Welche Vorteile hat Formalin bei der Prävention von Klaueninfektionen?

Formalin desinfiziert die Klauenhaut und macht das Klauenhorn etwas härter. Außerdem unterstützt es in einer schmutzigen Umgebung die Abtötung von Bakterien, die Klaueninfektionen verursachen.

Welche Ratschläge geben Sie für die Häufigkeit der präventiven Klauenpflege?

Untersuchungen haben gezeigt, dass ein strategischer Klauenschnitt deutlich besser ist als die Behandlung zweimal im Jahr. Ich rate dazu, die präventive Klauenpflege beim Trockenstehen der Kuh und nach 90 Tagen der Laktation durchzuführen. So geben wir es auch an die Klauenpfleger weiter. In der Praxis sehen wir oft, dass die meisten Klauenprobleme in den ersten zwei Monaten nach dem Abkalben auftreten. Wenn Sie sicherstellen, dass die Kühe zum Zeitpunkt des Abkalbens auf gut gepflegten Klauen stehen, ist die Wahrscheinlichkeit, dass Probleme auftreten, viel geringer.

Welche Voraussetzungen muss ein Milchviehbetrieb für die optimale Klauenpflege mitbringen?

Voraussetzung ist eine gute Organisation des Milchviehbetriebs. Man muss gut arbeiten können, hierzu zählt beispielsweise die einfache Trennung der Kühe. Ein Milchviehhalter benötigt einen guten Klauenpflegestand, der fast ebenso professionell, wie der eines Klauenpflegers ist. Wenn die Voraussetzzungen stimmen, ist es auch viel einfacher die Pflege der Klauen optimal und effizient durchzuführen. Vorab sollte sich der Milchviehhalter durch seinen Klauenpfleger beraten lassen, wie er die Klauen richtig schneidet. Denn es ist leicht, dass sich Fehler einschleichen.

Wie kann der Milchviehhalter den Klauenzustand seiner Herde überwachen?

Auf der Grundlage ihrer Beobachtungen können Milchviehhalter und/oder Klauenpfleger Klauenprobleme in Digiklauw oder anderen Klauenregistrierungsprogrammen dokumentieren. Auf diese Weise können Sie einfach und bequem den Klauenzustand ihrer Herde überwachen und sehen, wie sich der Klauenzustand ihrer Herde innerhalb des Unternehmens entwickelt.
Milchbauern können den Klauenzustand ihrer Herde auch durch Tankmilchuntersuchungen überwachen, die viermal im Jahr durchgeführt werden. Sie können den Mineralhaushalt der Kühe in den Bereichen Biotin, Zink und Mangan überwachen, die für eine gute Klauenhornqualität entscheidend sind. Wenn diese Werte gut sind, ist die Wahrscheinlichkeit geringer, dass es zu Klauenproblemen kommt. Darüber hinaus können sie über die Tankmilch den Mortellarowert in ihrer Herde überwachen. Wenn dieser hoch ist, wissen sie, dass in ihrem Stall ein hoher Infektionsdruck herrscht und es viele Kühe mit aktivem Mortellaro-Infektionen gibt.

Haben Sie noch andere Tipps für Milchbauern?

Die Anpassung der Liegeboxen ist ebenfalls wichtig. Es ist wichtig, dass sich die Kühe schnell hinlegen, wenn sie sich in den Boxen befinden. Beim Betreten eines Stalls achten wir besonders darauf, wie viel Prozent der Kühe in den Boxen stehen und wie viel Prozent der Kühe in den Boxen liegen. Die Norm ist, dass 85 % der Kühe in den Boxen tatsächlich liegen und wiederkäuen.

 

Menno Holzhauer ist Tierarzt und europäischer Spezialist für Rindergesundheit bei Royal GD.

Ich arbeite seit mehr als zwanzig Jahren im Bereich der Klauengesundheit, meine Arbeit besteht hauptsächlich aus der Erforschung und Überwachung der Klauengesundheit und der Beratung von Tierärzten und Milchbauern.

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